Lei­ten­de Ärz­tin­nen und Ärz­te tra­gen Ver­ant­wor­tung für medi­zi­ni­sche Qua­li­tät, Mit­ar­bei­ten­de, Res­sour­cen und Ver­än­de­rungs­pro­zes­se. Medi­zi­ni­sche Exper­ti­se bleibt dabei unver­zicht­bar. Für eine wirk­sa­me ärzt­li­che Füh­rung im Kran­ken­haus reicht sie allein jedoch nicht aus.

Wer eine Abtei­lung lei­tet, muss Teams ent­wickeln, Kon­flik­te bear­bei­ten, wirt­schaft­li­che Vor­ga­ben ein­ord­nen und auch unter Druck Ori­en­tie­rung geben. Sechs Kom­pe­tenz­fel­der sind dafür beson­ders wich­tig.

Von medi­zi­ni­scher Exper­ti­se zur Füh­rungs­ver­ant­wor­tung

Vie­le Ärz­tin­nen und Ärz­te über­neh­men eine Lei­tungs­funk­ti­on auf­grund ihrer fach­li­chen Kom­pe­tenz. Mit der neu­en Rol­le ver­än­dert sich jedoch die Auf­ga­be: Nicht mehr nur die eige­ne medi­zi­ni­sche Lei­stung zählt. Ent­schei­dend ist, ob Füh­rungs­kräf­te Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen, in denen Mit­ar­bei­ten­de ihre Fähig­kei­ten sicher und ver­ant­wor­tungs­voll ein­set­zen kön­nen.

Dazu gehö­ren kla­re Erwar­tun­gen, nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dun­gen und die Bereit­schaft, Ver­ant­wor­tung zu über­tra­gen. Auch Ton­fall, Erreich­bar­keit und Ent­schei­dungs­ver­hal­ten prä­gen die Kul­tur einer Abtei­lung.

Sechs zen­tra­le Kom­pe­tenz­fel­der für ärzt­li­che Füh­rung

  1. Sich selbst füh­ren

Wer unter hoher Bela­stung führt, braucht Klar­heit über die eige­ne Rol­le. Wel­che Auf­ga­ben gehö­ren wirk­lich zur Lei­tung? Was kann dele­giert wer­den? Wo ent­ste­hen Kon­flik­te durch unkla­re Erwar­tun­gen?

Selbst­füh­rung bedeu­tet, Prio­ri­tä­ten zu set­zen, Gren­zen wahr­zu­neh­men und das eige­ne Ver­hal­ten regel­mä­ßig zu reflek­tie­ren.

  1. Ori­en­tie­rung geben

Im Kran­ken­haus las­sen sich nicht alle Ent­wick­lun­gen sicher pla­nen. Füh­rungs­kräf­te müs­sen den­noch Rich­tung geben. Mit­ar­bei­ten­de müs­sen wis­sen:

  • Was ist jetzt wich­tig?
  • Wel­che Ent­schei­dung wur­de getrof­fen?
  • Wel­che Spiel­räu­me bestehen?
  • Was ist noch offen?

Glaub­wür­di­ge Füh­rung ver­spricht kei­ne fal­sche Sicher­heit. Sie schafft Ver­läss­lich­keit durch Trans­pa­renz.

  1. Mit­ar­bei­ten­de ent­wickeln und bin­den

Per­so­nal­man­gel lässt sich nicht allein durch neue Ein­stel­lun­gen lösen. Eben­so wich­tig ist, qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ten­de im Kran­ken­haus zu hal­ten.

Lei­ten­de Ärz­tin­nen und Ärz­te soll­ten Poten­zia­le erken­nen, fai­re Rück­mel­dun­gen geben und Ent­wick­lung ermög­li­chen. Dazu gehö­ren regel­mä­ßi­ge Gesprä­che und die schritt­wei­se Über­tra­gung von Ver­ant­wor­tung.

  1. Berufs­grup­pen­über­grei­fend zusam­men­ar­bei­ten

Eine gute medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung ist Team­ar­beit. Ärzt­li­cher Dienst, Pfle­ge, The­ra­pie und Ver­wal­tung brin­gen unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven ein. Kon­flik­te ent­ste­hen häu­fig durch ver­schie­de­ne Zie­le, Zustän­dig­kei­ten und Arbeits­rea­li­tä­ten.

Ärzt­li­che Füh­rung muss die­se Per­spek­ti­ven ver­bin­den. Dafür braucht es kla­re Abspra­chen, ver­läss­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und Respekt vor der Kom­pe­tenz ande­rer Berufs­grup­pen.

  1. Wirt­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ein­ord­nen

Lei­ten­de Ärz­tin­nen und Ärz­te bewe­gen sich zwi­schen medi­zi­ni­schem Anspruch, per­so­nel­len Mög­lich­kei­ten und wirt­schaft­li­chen Vor­ga­ben. Die­se Span­nun­gen las­sen sich nicht voll­stän­dig auf­lö­sen.

Füh­rung bedeu­tet, Ziel­kon­flik­te sicht­bar zu machen und Ent­schei­dun­gen fach­lich wie orga­ni­sa­to­risch zu begrün­den. Wirt­schaft­lich­keit darf nicht gegen Ver­sor­gungs­qua­li­tät aus­ge­spielt wer­den. Gleich­zei­tig kön­nen begrenz­te Res­sour­cen nicht igno­riert wer­den.

  1. Ver­än­de­run­gen und Kon­flik­te gestal­ten

Neue Struk­tu­ren, digi­ta­le Pro­zes­se und ver­än­der­te Zustän­dig­kei­ten grei­fen in ein­ge­spiel­te Abläu­fe ein. Mit­ar­bei­ten­de reagie­ren dar­auf unter­schied­lich: mit Inter­es­se, Skep­sis oder Wider­stand.

Gute Füh­rung erklärt den Anlass einer Ver­än­de­rung, ermög­licht Betei­li­gung und spricht Kon­flik­te früh­zei­tig an. Sie nimmt Sor­gen ernst, ohne not­wen­di­ge Ent­schei­dun­gen unbe­grenzt auf­zu­schie­ben.

Christ­li­che Wer­te wer­den in Ent­schei­dun­gen sicht­bar

Wer­te­ori­en­tier­te Füh­rung zeigt sich beson­ders dann, wenn Zeit, Per­so­nal oder Geld knapp sind.

Ein christ­li­ches Men­schen­bild erin­nert dar­an, dass Mit­ar­bei­ten­de nicht nur Lei­stungs­trä­ger und Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nicht nur medi­zi­ni­sche Fäl­le sind. Ihre Wür­de darf auch unter wirt­schaft­li­chem und orga­ni­sa­to­ri­schem Druck nicht aus dem Blick gera­ten.

Das bedeu­tet nicht, schwie­ri­ge Ent­schei­dun­gen zu ver­mei­den. Es bedeu­tet, sie trans­pa­rent, respekt­voll und ver­ant­wort­lich zu tref­fen.

Ärzt­li­che Füh­rung gezielt wei­ter­ent­wickeln

Füh­rungs­kom­pe­tenz ent­steht nicht auto­ma­tisch mit der Ernen­nung zur Chef­ärz­tin, zum Chef­arzt oder zur ärzt­li­chen Lei­tung. Sie ent­wickelt sich durch Refle­xi­on, Trai­ning und den Aus­tausch über kon­kre­te Füh­rungs­si­tua­tio­nen.

Die Wei­ter­bil­dung „Klar füh­ren. Gemein­sam wir­ken“ der Stif­tung Bil­dung der katho­li­schen Kran­ken­häu­ser rich­tet sich an Chef­ärz­tin­nen und Chef­ärz­te, lei­ten­de Ober­ärz­tin­nen und Ober­ärz­te, Ärz­tin­nen und Ärz­te in Lei­tungs­funk­tio­nen sowie an die­je­ni­gen, die in abseh­ba­rer Zeit eine ärzt­li­che Lei­tungs­funk­ti­on über­neh­men wer­den. Zu den The­men gehö­ren Selbst­füh­rung, Zusam­men­ar­beit, wirt­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen, christ­li­che Wer­te, Kon­flikt­mo­de­ra­ti­on und das Füh­ren in Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen.

Inter­es­sier­te Ärz­tin­nen und Ärz­te kön­nen sich am Frei­tag, 11. Sep­tem­ber 2026 von 10:00 bis 12:00 Uhr bei einer digi­ta­len Info-Ver­an­stal­tung über Inhal­te, Metho­den und orga­ni­sa­to­ri­sche Rah­men­be­din­gun­gen der Wei­ter­bil­dung infor­mie­ren.

Der Kurs beginnt am 14. Dezem­ber 2026 mit einem Online-Kick-off, bei dem sich die Teil­neh­men­den ken­nen­ler­nen, die Zusam­men­ar­beit abstim­men und das erste Modul vor­be­rei­ten.

Das erste Prä­senz­mo­dul „Füh­rung und Selbst­füh­rung“ fin­det anschlie­ßend vom 1. bis 3. Febru­ar 2027 im Katho­lisch-Sozia­len Insti­tut in Sieg­burg statt.

Über die Stif­tung Bil­dung der katho­li­schen Kran­ken­häu­ser

Die Stif­tung Bil­dung ist  Trä­ge­rin von Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen im Kran­ken­haus und rich­tet sich an Mit­ar­bei­ten­de und Füh­rungs­kräf­te in katho­li­schen Kran­ken­häu­sern. Das Bil­dungs­an­ge­bot der Stif­tung Bil­dung umfasst Qua­li­fi­zie­run­gen in den Berei­chen Füh­rung, Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung, Pati­en­ten­si­cher­heit und Spi­ri­tu­al Care. Ziel ist es, pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­si­cher­heit, Ver­ant­wor­tung und Kom­pe­tenz im Gesund­heits­we­sen zu stär­ken. Die digi­ta­len Füh­rungs­im­pul­se sind in die­ses Gesamt­an­ge­bot ein­ge­bet­tet und ergän­zen län­ger­fri­sti­ge Wei­ter­bil­dungs­for­ma­te durch the­ma­tisch fokus­sier­te Online-Fort­bil­dun­gen für Füh­rungs­kräf­te.

FAQ: Was bedeu­tet ärzt­li­che Füh­rung im Kran­ken­haus?

Was ist unter ärzt­li­cher Füh­rung zu ver­ste­hen?

Ärzt­li­che Füh­rung ver­bin­det medi­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung mit Per­so­nal­füh­rung, Kom­mu­ni­ka­ti­on, wirt­schaft­li­chem Ver­ständ­nis und der Gestal­tung von Ver­än­de­run­gen.

War­um reicht medi­zi­ni­sche Fach­kom­pe­tenz nicht aus?

Eine Lei­tungs­funk­ti­on ver­langt, Mit­ar­bei­ten­de zu ent­wickeln, Kon­flik­te zu bear­bei­ten, Ent­schei­dun­gen zu erklä­ren und unter­schied­li­che Berufs­grup­pen zusam­men­zu­füh­ren.

Wel­che Rol­le spie­len christ­li­che Wer­te im Kli­nik­all­tag?

Christ­li­che Wer­te geben Ori­en­tie­rung, wenn medi­zi­ni­sche, wirt­schaft­li­che und mensch­li­che Inter­es­sen mit­ein­an­der in Span­nung gera­ten. Sie stel­len die Wür­de des Men­schen in den Mit­tel­punkt.

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